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Kurzgeschichte

Unter dem Himmel von Baltimore

Bekanntlich, soll ja jeder Schüler in den Staaten eine solche Schulausbildung genießen können, daß er Präsident der Vereinigten Staaten werden kann. Joe wird "President Speed". Mit anderen Worten, ein kleiner Drogendealer, der seine Geschäfte in Hinterhöfen, Schultoiletten und abgefuckten Discos abwickelt. Nicht ganz der Präsident, der dem Wohl des Volkes dienen kann, aber dem Wohl einzelner außerirdisch, ausergewöhnlicher Individuen. Somit gibt es keine Sorgen mehr für Joe in der Schule, denn von dieser wurde er schon vor langer Zeit rausgeworfen. Er ist nicht einer der grossen Bosse in diesem Geschäft, sondern nur ein kleiner Lieferant, der sich so durchschlägt.

Joe ist schon seit zwei Jahren drogenabhängig, darum wandert er in einem Teufelskreis. Zum einen muß er Stoff verkaufen, zum anderen braucht er selber welchen. Das gefällt ihm gar nicht. An den Blick zum Hinterhof, wo der Müll sich stapelt, hat er sich gewöhnt. Auch daran, daß er keinen Farbfernseher in seiner bescheidenen Bleibe hat. Täglich bekämpft er seinen Frust mit Newportzigaretten, Alkohol, Speed und hängt mit seinen Kollegen zusammen auf der Strasse herum. Wenn er Geld braucht, dealt er und klaut. Reicht das nicht aus, besucht er Lucy`s Shop, wo er versucht, Geld von Ihr zu pumpen. Von den paar Dollar leistet sich Joe manchmal einen Kinobesuch. Der Rest geht für den Lebensunterhalt drauf. Da er noch zu den halbwegs Anständigen gehört und Lucy schliesslich eine nette Nachbarin war, bis sie in das bessere Viertel der Stadt zog, überrascht er Sie abends gelegentlich, wenn er plötzlich an ihrer Balkontür steht, mit einem kleinen Plastikstrauß. Lucy wartet in dem Fall immer auf den Kassenbon, den er dann auch immer vorzeigt, um zu beweisen, dass dieser bezahlt ist. Denn er wird nie vergessen, wie die gute Seele ihn morgens halbverfroren auf der 48th. Avenue einsammelte und ihm im nächsten Kaffee zwei heisse Tassen spendierte. Lucy fragt sich oft genug, warum sie das zulässt, denn sie weiß mit ziehmlicher Sicherheit, dass sie das Geld nie zurückbezahlt bekommt.

Keuchend und prustend, seine Lunge versucht gerade die letzten Tabakzüge zu verarbeiten, lehnt er über dem U-Bahn Treppengeländer. Da zuckt er blitzartig hoch, denn an seinem Hinterkopf spürt er etwas kaltes hartes und eine Stimme flüstert rauh:"Wichser, dein Geld, oder ich knall dich ab." Da Joe weiss, dass er in seinem Zustand nicht sehr weit kommt, wenn er mit gefülltem Portmonnaie abhauen möchte, faßt er den Entschluss seine Kohle herauszurücken. In dieser Gegend werden Leichen nicht sonderlich beachtet und würden nur herumliegen. Das will er natürlich nicht. Damit hat Joe wieder eine riessen Sorge, denn seine Miete ist noch nicht bezahlt.

Joe ist in seiner Wohnung. Smog liegt über der Stadt, der Lärm von der Straße ist fast nicht mehr auszuhalten. Während im Fernseher ein Actionfilm vor sich hinflimmert, schleppt er sich in die Küche um eine Cola aus dem Kühlschrand zu holen. Vor seinen matten Augen läuft auf einmal ein Film ab, er sieht den grauen Himmel von Baltimore. Ein Sonnenstrahl drückt sich durch das Grau und sieht auf die Stadt herunter. Er fährt hinab bis auf die Straße, wo ein gelbes Fahrrad von einem jungen Mädchen eirig nach Hause gelenkt wird. Joe hält inne. Das war die kleine Lucy mit fünfzehn Jahren. Er nimmt sich eine kalte Soda aus dem Kühlschrank und kühlt sich die Stirn, welche ihm momentan stechende Schmerzen bereitet. Joe öffnet die Dose und setzt langsam an. "Warum zahl ich ihr das Geld nicht zurück? Ich muss da raus aus dieser Scheiße...ich...muss da entgültig raus!" ...Fortsetzung folgt!
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